„Das Experiment“: Eindrucksvoller Blick in die Abgründe menschlichen Machtstrebens

Mit einer äußerst eindrucksvollen Inszenierung von Mario Giordanos „Das Experiment“ begeisterte der Literaturkurs der Q1 an zwei Abenden die Zuschauer im voll besetzten Forum des Gymnasiums Kreuzau.

Durch ihre besonderen schauspielerischen Fähigkeiten sowie ein eindrucksvolles Bühnenbild und mit der Unterstützung durch das Technikteam, das mit der Beleuchtung die richtige Atmosphäre für die unterschiedlichen Schauplätze und Tageszeiten schaffen konnte, gelang es den Schüler*innen, die zunehmend beklemmender werdende Stimmung sehr gut auf die Bühne zu bringen.

Mario Giordanos Geschichte, die 2001 auch mit prominenter Besetzung verfilmt wurde, lehnt sich an das Stanford-Prison-Experiment, das 1971 tatsächlich durchgeführt wurde. Das Stück überzeichnet allerdings das Ausmaß, in dem das Experiment zum Verhalten von Gefängniswärtern und Insassen aus dem Ruder läuft.

Nachdem zu Beginn die wissenschaftliche Leitung die 20 Teilnehmer*innen, die sich freiwillig gegen ein Entgelt von 200 € gemeldet hatten, begrüßt haben, werden diese per Losentscheid in Wärter und Gefangene unterteilt. Von den Wissenschaftlern wird ihr Verhalten über Kameras beobachtet. Die Gefangenen müssen dabei auf einige Grundrechte verzichten und einige Regeln befolgen, zum Beispiel müssen sie ihre Mahlzeiten vollständig aufessen und sämtlichen Anweisungen der Wärter folgen, während diese angewiesen sind, jegliche Regelverstöße seitens der Gefangenen zu vermeiden und angemessen zu reagieren, falls ein Regelverstoß begangen worden ist oder sich einer ankündigt. Sie werden zwar mit Schlagstöcken ausgerüstet, dürfen aber auf keinen Fall Gewalt anwenden.

Im Verlauf des Experiments verselbstständigt sich das Machtstreben der Wärter zusehends. Es beginnt mit den ersten Erniedrigungen der Gefangenen, später kommt es – entgegen den Anweisungen der Wissenschaftler – zu zunächst harmlosen, später immer brutaler werdenden gewaltsamen Übergriffen. Am Ende richtet sich die Gewalt auch gegen einen der Wärter, der von seinen Kollegen zu den Gefangenen gesperrt wird, weil er deren Methoden kritisiert und eine Nachricht der Gefangenen aus dem Gefangnis schmuggeln will. Und schließlich werden sogar die leitenden Wissenschaftler angegriffen, bis es am Ende zum gewaltsamen Showdown bei einem Ausbruchsversuch der Gefangenen kommt.

Schulleiter Arnoldt bedankte sich nach dem langen Applaus des Publikums bei den Jugendlichen und ihrer Lehrerin Judith Weyermann dafür, dass diese „sich der schwierigen Fragen unserer Zeit angenommen und die Frage des menschlichen Machtstrebens so beeindruckend aufgeworfen“ hätten.

04. Juli 2018 Autor:  Wolfgang Arnoldt 1 Kommentar

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