Unterricht online – unsere Optimierungsbemühungen

Liebe Schüler*innen, liebe Eltern, liebe Kolleg*innen,

die – richtige und notwendige – Entscheidung der Landesregierung über die Schließung der Schulen ab dem 16. März hat uns alle vor eine enorme Herausforderung gestellt. Ohne jede Vorbereitung standen wir plötzlich vor der Aufgabe, den Kontakt zwischen über 60 Lehrer*innen und ihren knapp 700 Schüler*innen auf digitalen Wegen aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, dass das Lernen für unsere Kinder und Jugendlichen nicht ganz aus dem Blick gerät. Viele Eltern standen ebenso unvorbereitet vor der Herausforderung, ihre Kinder zu begleiten und zu unterstützen und meistens sich selbst erst einmal in die digitalen Instrumente der Schule hineinzufinden – neben den vielfältigen privaten, beruflichen und oft genug auch finanziellen Sorgen und Belastungen, die die Corona-Pandemie für viele Familien bedeutete.

Es ist mir zuallererst ein Bedürfnis, ganz herzlich dafür Danke zu sagen, wie Sie und ihr mit diesen Herausforderungen umgegangen sind bzw. seid.

  • Ihnen und euch, liebe Kolleg*innen ein ganz herzliches Dankeschön für die große Flexibilität, den großen Einsatz und Ihr und euer Engagement und vor allem für die – in den „digitalen Lehrerzimmern“ so deutlich sichtbare – bereitwillige und engagierte gegenseitige Unterstützung und Ermutigung beim Austausch und der Weitergabe von Erfahrungen, Tipps und Hinweisen zum Umgang mit den technischen Möglichkeiten, die wir uns vielfach in kürzester Zeit und ohne die dafür erforderliche Fortbildung (von der ein erster kleinerer Schritt eigentlich für den 22.04. geplant war) aneignen mussten und weiter müssen.
  • Ihnen, liebe Eltern, danke für die zahlreichen freundlichen und ermutigenden Rückmeldungen, für die Unterstützung Ihrer Kinder, für Ihre Gelassenheit und Geduld, wenn – was ja bei dem „Kaltstart in den Online-Unterricht“ nicht weiter verwunderlich ist – manches noch nicht optimal, einiges auch sehr unübersichtlich oder nicht richtig „dosiert“ war und sicher auch gelegentlich bis heute noch ist. Und danke auch für die immer wieder solidarisch-kritische Begleitung – auf die wir auch weiterhin angewiesen bleiben, da wir es nur besser machen können, wenn wir auch erfahren, wodurch und wie welche Schwierigkeiten hervorgerufen werden.
  • Und euch, liebe Schüler*innen herzlichen Dank für eure Bereitschaft, sich auf die plötzliche Umstellung einzulassen, für die durch die allermeisten gewissenhafte und gründliche Erledigung von Aufgaben, für viele positive Rückmeldungen zum Verlauf dieses „zwangsweisen Abenteuers“, aber auch für eure Geduld und eure konstruktive Rückmeldung zu möglichen oder notwendigen Verbesserungen.
  • Und schließlich ein besonderer Dank an die Gemeinde Kreuzau als Schulträger und an Thomas Böinghoff und sein IT-Support-Team. Durch das so vorausschauend vor einigen Jahren etablierte schulische Medienkonzept der Gemeinde Kreuzau und den unermüdlichen Einsatz des IT-Supports – und natürlich die zusätzliche Unterstützung des Fördervereins über die letzten Jahre – verfügen wir über eine technische Ausstattung und Infrastruktur und voll funktionsfähige digitale Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten, um die uns viele andere Schulen beneiden, die jetzt vor den gleichen Herausforderungen stehen, aber noch auf Mails an die Adressen der Eltern, den Versand gescannter Dokumente und den Austausch über WhatsApp-Chats angewiesen sind.

Auch wenn wir Mitte März sehr gute Startbedingungen hatten und z.B. in zahlreichen Kursen der Oberstufe und manchen Mittelstufenklassen schon auf sehr gut oder zumindest passabel eingeführte digitale Strukturen und Werkzeuge zurückgreifen konnten, bleibt die Situation weiterhin sehr herausfordernd. Denn es geht nun nicht mehr nur darum, „irgendwie drei Wochen bis zu den Osterferien gut zu überstehen“ (was uns, glaube ich, ganz passabel gelungen ist).

Auch wenn vieles noch in der Diskussion ist: Aller Voraussicht nach werden bis zum Ende des Schuljahres (und je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens gar darüber hinaus) die meisten Schüler*innen höchstens sehr gelegentlich die Schule besuchen können und es wird, wie es in einem Bericht über das Papier der Kultusministerkonferenz vom heutigen Dienstag, 28.04. heißt, darum gehen, einen „Mix aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause auszubauen und das digitale Lehren und Lernen weiterzuentwickeln“.

Dabei wird es angesichts der fortbestehenden Abstands- und Hygieneregelungen bei uns neben den unverzichtbaren Abiturprüfungen und den – nach heutigem Kenntnisstand zumindest deutlich reduziert noch erforderlichen – Klausuren der beiden anderen Jahrgangsstufen nur äußerst eingeschränkt möglich sein, weiteren Jahrgängen unter verantwortbaren Bedingungen Unterricht in der Schule anzubieten. Daher wird – und kann – bei uns der Weiterführung des Unterrichts online besondere Bedeutung zukommen.

Wir haben uns im Team der Schulleitung – nachdem in den Ferien und den ersten Tagen danach die sehr aufwändige Vorbereitung des Wiederbeginns des Unterrichts für unsere Abiturient*innen mit der letzten Vorabiturklausur unter Beachtung der Infektionsschutzvorgaben gut bewältigt war – bereits mit der Auswertung der Erfahrungen der Wochen vor den Osterferien und den vielfältigen Rückmeldungen zum Unterricht online befasst und möchten nun nach den „Optimierungen zur Halbzeit“ weitere Verbesserungen auf den Weg bringen.

In diesem Beitrag stellen wir zunächst dar, welche Überlegungen uns dabei geleitet haben. In einer am Ende des Beitrags verlinkten Datei finden Sie zusätzlich konkretere Überlegungen für allgemeine und altersgruppenspezifische Regelungen für den Unterricht online, die wir nun mit und mit umsetzen wollen. Zusätzlich haben wir im Bereich „Lernen“ eine eigene Unterseite zum Unterricht online eingerichtet, auf der wir in den nächsten Tagen und dann in der Folgezeit alle Beiträge und Dokumente zum Thema zusammenfassen.

Auch in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten wird sich bei allen Bemühungen eines nicht verändern: Wir bleiben alle Teil eines „Versuchs ohne Vorbild“. Wir alle erleben eine solche Herausforderung zum ersten Mal und es wird weiterhin niemand von sich behaupten können, dass er „weiß wie es richtig ist“. Wir sind alle darauf angewiesen, dass nicht nur alle ihr Bestes geben, sondern dass wir weiterhin mit Geduld und gegenseitigem Respekt einander zuhören, uns austauschen, offen und achtsam für die Bedürfnisse, Sorgen und Fragen der anderen sind. Dann, so bin ich sicher, werden wir die Herausforderungen und Belastungen so bewältigen, dass dabei alle stark bleiben und wir vielleicht gemeinsam noch ein Stück stärker werden. Dafür Ihnen und euch allen jetzt schon herzlichen Dank!

Ihr/euer Wolfgang Arnoldt

Verbesserungen des Unterrichts online: vorläufige Grundsätze

Unsere wichtigsten Ziele: Es geht beim Unterricht online weiterhin vorrangig darum, dass unsere Schüler*innen sich nicht „alleine gelassen fühlen“ und erleben, dass die Lehrer*innen sich weiter um sie kümmern.

In Bezug auf die fachlichen Inhalte geht es im Kern darum, dass – in den jüngeren Klassen vor allem in den Kernfächern – die Lernrückstände erst einmal nicht so groß werden, dass sie später unüberbrückbar sind. Altersabhängig kann bzw. sollte es auch um die angeleitete und behutsame Erarbeitung noch nicht im Unterricht behandelter lehrplanrelevanter Inhalte gehen.

Schüler*innen der Klasse 9 und der Oberstufe tragen eine besondere Verantwortung dafür, dass ihnen nach einem Wiederbeginn des Unterrichts das weitere Lernen erfolgreich gelingen kann. Deshalb kann von Ihnen – vor allem mit Blick auf zu erwerbende Berechtigungen und Abschlüsse – eine größere Verbindlichkeit bei der Erledigung von Aufgaben und eine Mitverantwortung für die Überwindung eventueller individueller Schwierigkeiten erwartet werden.

Unterricht online sollte neben der Beschäftigung mit fachlichen Inhalten auch dazu beitragen, dass Austausch und Kommunikation über das unterschiedliche Erleben der besonderen Situation, über Sorgen, Wünsche, Erfahrungen und Erlebnisse zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen und unter den Schüler*innen mit einigermaßen verlässlicher Regelmäßigkeit aufrecht erhalten werden. Dies ist insbesondere für jüngere Schüler*innen von großer Bedeutung.

Unterschiedliche Bedingungen und Fragen der Bewertung: Es gibt sehr unterschiedliche (häusliche, technische, familiäre) Bedingungen und Belastungen und ebenso sehr unterschiedliche Bedürfnisse (nach mehr oder weniger Lernangeboten, mehr oder weniger Selbstständigkeit bzw. Unterstützung). Daher kann der Unterricht online auch nicht den Unterricht in der Schule ersetzen oder „nachbilden“ oder gar den Aufgabenumfang für alle einfach nach dem Zeitmaß der planmäßigen Stunden plus der üblichen Hausaufgaben bemessen. Lehrer*innen können versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zwischen „Pflicht- und Kürangeboten“ zu unterscheiden und alters- und situationsabhängig Verbindlichkeiten ggf. zu reduzieren oder Hilfen anzubieten.

Leistungsüberprüfungen finden grundsätzlich im Rahmen des Unterrichts online nicht statt. Aufgaben von Schüler*innen werden nicht mit Noten oder Punkten bewertet. Statt dessen kann es im Rahmen der Möglichkeiten der Lehrer*innen zu eingereichten/abgegebenen Aufgaben Hinweise für das weitere Lernen geben. Die Mitwirkung am Unterricht online wird generell nicht bewertet. Besonderes Engagement oder individuelle Fortschritte können allerdings anerkannt und bei der Notengebung berücksichtigt werden.

Schutz vor Überforderung für alle Beteiligten: Angesichts der voraussichtlich länger andauernden Notwendigkeit des Unterrichts online müssen wir uns bemühen, Überlastungen wahrzunehmen und sinnvoll gegenzusteuern:

Die Entwicklung und Bereitstellung von Material, die Einarbeitung in die technischen Möglichkeiten und die Durchsicht von Schüleraufgaben erfordern einen hohen Aufwand der Lehrer*innen. Daher bedarf es insbesondere deren Entlastung von dem Zwang der ständigen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit.

Es bedarf nach den bisherigen Erfahrungen und Rückmeldungen für viele Schüler*innen und ihre Eltern der Entlastung von der Ungewissheit, ob und wann welche Aufgaben gestellt werden.

Beides ist am ehesten über die Vereinbarung fester Zeiten zur Kommunikation zu gewährleisten.

In regelmäßigen Abständen sollte es ein gegenseitiges Feedback zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen über den Verlauf des Unterrichts online geben, das dann sowohl in die weitere Gestaltung des jeweiligen Fachunterrichts als auch in die allgemeinen Überlegungen zur Weiterentwicklung der schulischen Arbeit Eingang finden kann.

Steigerung der Übersichtlichkeit und Erleichterung der Nutzung digitaler Möglichkeiten: Schritt für Schritt bemühen wir uns als Lehrer*innen darum, Materialien und Aufgaben auf möglichst vergleichbare Art bereitzustellen und die Nutzung der Office-Software im Sinne der oben genannten Ziele zu optimieren. Dazu gehören insbesondere der Ausbau der Nutzung von Online-Besprechungen (Video-Konferenzen) sowie die Nutzung der „Aufgaben“-Anwendung in Teams.

Umgekehrt bemühen wir uns auch um die Etablierung klarer Regeln in Bezug auf die Abgabe von Aufgaben durch Schüler*innen und die Nutzung einheitlicher Kommunikationskanäle.

Unterstützung für Eltern: Wir bieten (unabhängig von den jeweiligen Fachlehrer*innen) Eltern und Schüler*innen eine Möglichkeit des Supports in technischen Fragen an und stellen Links zu Hilfen für den Umgang von Eltern mit den Herausforderungen des Unterrichts zu Hause bereit. Zusätzlich haben wir eine besondere Seite mit Hilfsangeboten in schwierigen Situationen erstellt, die auf externe Angebote sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Eltern verweist.

Kontinuierliche begleitende Fortbildung der Lehrer*innen: Diese Grundsätze lassen sich nur dann annähernd verwirklichen, wenn den Lehrer*innen die notwendigen Freiräume für den Austausch über ihre Erfahrungen und für das eigene Lernen und die gegenseitige Unterstützung bei der Nutzung der technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Daher werden wir – neben anderen kollegiumsinternen Vereinbarungen – eine feste Zeit für diesen Austausch und die „gegenseitige Fortbildung“ festlegen, die dann nicht für den Unterricht online zur Verfügung steht.

In Orientierung an diesen Grundsätzen haben wir eine Reihe von konkreten Regelungen entwickelt, deren Umsetzung wir nun in Angriff nehmen wollen. Diese sind – wie oben erläutert – Gegenstand der ständigen Überprüfung und Weiterentwicklung.

29. April 2020 Autor:  Wolfgang Arnoldt 0 Kommentare

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