Unterricht online: Bilanz und Optimierung „zur Halbzeit“

Nach dem am Nachmittag des 13.03. bekanntgemachten Beschluss der Landesregierung, ab dem 16.03. alle Schulen zu schließen, haben wir uns – gestützt auf den Vorteil einer schon sehr weit gediehenen Vernetzung und einer sehr guten schulischen Infrastruktur – schnell bemüht, eine andere Form von Unterricht mit digitalen Mitteln auf den Weg zu bringen.

Ich danke Ihnen und euch allen für die vielen positiven Rückmeldungen zum Engagement unserer Lehrkräfte und dem Erfolg unserer Bemühungen, aber auch für die zahlreichen Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Ein so unerwartet und schnell vorgenommener Versuch der Umstellung auf die Nutzung digitaler Möglichkeiten ist unvermeidbar auch mit ein paar Pannen und Irrwegen verbunden, weshalb wir auch weiterhin darauf angewiesen sind, dass Sie uns helfen und ihr uns helft, dabei noch besser zu agieren.

Ich hoffe, dass wir mit den folgenden Überlegungen die wichtigsten Anregungen aufgreifen und die „zweite Halbzeit“ des Unterrichts online (zumindest, was die Zeit bis zu den Osterferien betrifft) noch etwas effektiver und für manche weniger belastend gelingen wird.

Zu allererst möchten ich noch einmal herausstellen, worin der Zweck unseres „Unterrichts online“ vor allem liegt: Wir möchten mit unserem Angebot dazu beitragen, dass unsere Schüler*innen erleben, dass wir uns weiter um sie kümmern, wir möchten den Austausch zwischen Schüler*innen und Lehrkräften und der Schüler*innen untereinander aufrecht erhalten und dabei mithelfen, dass der Abstand zur Schule und zu den Inhalten des Unterrichts nicht so groß wird, dass bei einer Wiederaufnahme des Normalbetriebs – wann immer die möglich sein wird – erst einmal sehr viel Wiederholung und Wiederauffrischung von bereits behandelten Dingen nötig sind. Und wir möchten dazu beitragen, dass die Langeweile etwas geringer wird und – mit Hilfe von Verabredungen zu Hause – der Alltag ein wenig Struktur bekommt.

Die schulischen Aufgaben sollen keinesfalls zu einer Überbelastung insbesondere der jüngeren Kinder oder zu zusätzlichem Stress für die Eltern führen. Sie waren von Beginn an als Angebot deklariert – welches nach unseren Eindrücken von den Allermeisten sehr bereitwillig und teilweise auch mit viel Freude angenommen wird. Ich habe meine Kolleg*innen gebeten, bei der weiteren Gestaltung dieses Angebots folgende Dinge zu berücksichtigen:

  • Insbesondere für die jüngeren Schüler*innen sollten sich Aufgaben überwiegend auf die Wiederholung und das Üben konzentrieren. Aufgaben sollten so gestaltet sein, dass sie möglichst ohne elterliche Hilfe bewältigt werden können. Zum Teil gab es auch schon kreative Ideen, die gut zu der besonderen Situation passen wie z.B. das Üben des Vorlesens einer Geschichte als Ton- (oder Video-)Aufnahme für die Großeltern, die man im Moment nicht besuchen darf.
  • Der Umfang der gestellten Aufgaben sollte insgesamt nicht das Pensum Unterrichtszeit + Hausaufgaben als Richtwert nehmen, sondern sich an der oben beschriebenen Zielsetzung orientieren, d.h. dass er vor allem für die Klassen 5 – 7, in denen die Arbeit an schulischen Aufgaben ja oft noch der elterlichen Begleitung bedarf, deutlich unter den normalen „Arbeitszeiten“ der Schüler*innen liegen darf. Dabei sollte der Schwerpunkt bei den Klassen 5 – 7 auf den Hauptfächern liegen.
  • Insbesondere zur Entlastung der Eltern sind längerfristige Aufgaben sinnvoll, die eine zu den familiären Gegebenheiten passende Zeiteinteilung ermöglichen. Dies sollte vor allem bei der Festlegung von Abgabeterminen berücksichtigt werden.
  • Vorgaben zu Abgabemodalitäten und Dateiformaten sollten sowohl die bei den Schüler*innen vorauszusetzenden Fähigkeiten als auch die Tatsache berücksichtigen, dass nicht alle Eltern beim Umgang mit digitaler Technik umfassend helfen können.
  • Schließlich hilft es der Entwicklung der Selbstständigkeit und entlastet die Eltern, wenn zu Aufgaben nach Ende der Bearbeitungszeit Lösungsblätter oder Musterlösungen bereitgestellt werden. Dies entlastet die Lehrkräfte auch von der Verpflichtung, allen Schüler*innen eine individuelle Rückmeldung zu geben (wie es ja abgesehen von Leistungskontrollen auch im normalen Unterricht der Regelfall ist).
  • Bei manchen Familien ist es nicht nur wichtig, dass Lehrer*innen die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler*innen und ihrer Eltern berücksichtigen. Teilweise sind die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche zur Bearbeitung schulischer Aufgaben auch dadurch begrenzt, dass die entsprechende Hardware nur begrenzt zur Verfügung steht oder z.B. für das elterliche Homeoffice benötigt wird. (Wenn es bei der Hardwareausstattung grundlegende Schwierigkeiten gibt, die eine häusliche Arbeit der Schüler*innen unmöglich machen, wenden Sie sich bitte an die Schule. U.a. auch mit Hilfe eines Vaters, der die Bereitstellung von Geräten gegen einen kleinen Kostenbeitrag angeboten hat, werden wir uns um Abhilfe bemühen.)

Ich bin meinen Kolleg*innen äußerst dankbar für Ihren großen Einsatz und ihr Engagement. Und ich denke, dass es auch für viele von ihnen entlastend sein wird, wenn sie in der „2. Halbzeit“ sich und ihren Schüler*innen ein wenig mehr Spielraum und Flexibilität erlauben.  Im Sinne der Entlastung der Lehrer*innen bitte ich andererseits Eltern und Schüler*innen um die Beachtung folgender Punkte:

  • Die Online-Kommunikation verführt schnell dazu, dass alle jederzeit erreichbar scheinen. Es ist daher gut und wichtig, dass sich alle an die von den Lehrer*innen angegebenen Kontaktzeiten halten und außerhalb dieser Zeiten nicht mit einer Antwort rechnen.
  • Bei vielen Fragen gerade auch zur Nutzung digitaler Technik, z.B. zu Dateiformaten, zum Hochladen von Dateien usw. können versierte Mitschüler*innen oft viel schneller und besser helfen als der oder die Fachlehrer*in. Und letztere müssen sich um die Entwicklung von Aufgaben, um die Rückmeldung zu Schülerarbeiten usw. kümmern und dabei immer auch selbst sich viele Dinge in Bezug auf die Möglichkeiten des digitalen Unterrichtens neu aneignen.
  • Nicht nur bei Fragen zur Technik auch bei inhaltlichen Fragen kann (und sollte) in der derzeitigen Situation auch die Fähigkeit zur selbstgesteuerten Kooperation zwischen Schüler*innen sich weiterentwickeln. Also: Ihr könnt euch auch gegenseitig bei Teams Fragen stellen, untereinander eure Lernprodukte oder Lösungen vergleichen usw..
  • Auch als Schüler*innen – und dies richtet sich vor allem an die der höheren Jahrgangsstufen – tragt ihr eine Mitverantwortung dafür, dass der Zweck der Bemühungen eurer Lehrer*innen erreicht wird (s.o.). Auch wenn zurzeit kein „normaler Unterricht“ stattfindet und das Schulministerium ausdrücklich darauf hinweist, dass natürlich jetzt kein Stoff online erarbeitet werden kann, der dann nach Wiederbeginn des Unterrichts sofort in einer Klassenarbeit oder Klausur überprüft wird: Ihr solltet die Angebote eurer Lehrer*innen nutzen, damit die Lücken nach der coronabedingten Pause (wann immer die zu Ende gehen wird) nicht zu groß sind und ihr dann Probleme bekommt, wieder Anschluss zu finden. Zudem könnt ihr die Zeit und die Aufgaben eurer Lehrer*innen nutzen, wichtige Dinge aufzuarbeiten oder zu üben.

Ich danke Ihnen und euch allen für die engagierte Arbeit und bitte ausdrücklich darum, diese auch weiter mitzugestalten und durch positives Feedback, Anregungen und Fragen mitzuhelfen, dass wir die in dieser herausfordernden Situation sehr schnell notwendig gewordene Umstellung immer besser und erfolgreicher und ohne unnötige Belastungen bewältigen werden.

Mit einem herzlichen Gruß

Ihr/euer Wolfgang Arnoldt

24. März 2020 Autor:  Wolfgang Arnoldt 0 Kommentare

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