Studienfahrt Münster 2009

Grafitti

Nach der Ankunft in Münster machten wir uns zügig auf den Weg zur Jugendherberge. Währenddessen fiel mir auf, wie überfüllt die Stadt war und wie viele verschiedene Menschen uns begegneten. Ich bemerkte immer wieder Gebäude, die mit Graffitis besprüht wurden. Ich dachte vorerst nicht weiter darüber nach, weil man Graffitis mittlerweile überall sehen kann.

Als wir dann später die Innenstadt Münsters besichtigten, wurde mir deutlich bewusst, wie viele Menschen in dieser Stadt leben. (Das Online-Nachrichtenmagazin für Köln berichtet, dass die Einwohnerzahl Münsters für das Jahr 2009 281.050 Menschen beträgt.) Als sich die Stadt am Abend füllte, kam es mir teilweise so vor, als würde ich in der Masse der überwiegend jungen Menschen untergehen. Dies empfand ich wahrscheinlich deshalb als so unangenehm und einengend, weil ich aus einer sehr kleinen Stadt komme.

Als ich dann später vor einem sehr schönen alten Gebäude stand und es näher betrachtete, sah ich, dass auch dieses Gebäude mit einem Graffiti „beschmiert“ war. Zuerst war ich geschockt, weil ich nicht verstehen konnte, warum die Person das getan hatte. Ich fragte mich, was für eine Person dahinter steckt und was die Abkürzung „sbkn“ bedeuten könnte. Da Graffiti auch als eine moderne Art künstlerischen Schaffens gilt, gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Sprayer um einen Jugendlichen handelt. Vielleicht hat er das Graffiti aus Protest an die Wand des Gebäudes gesprüht, weil er sich genau so klein in der Menschenmenge vorkam wie ich. Gerade, weil er sich das alte und schöne Gebäude ausgesucht hat, vermute ich, dass er eine Form von Aufmerksamkeit gesucht hat. Etwas, das diesen Jugendlichen in irgendeiner Weise repräsentiert und mit dem er sich identifizieren kann. Natürlich kann es auch sein, dass diese Person das Graffiti in jugendlichem Leichtsinn an die Wand gesprüht hat, aber auch dann würde das Graffiti ihn in einer gewissen Weise repräsentieren.

Obwohl ich es nicht gutheiße, Wände mit Graffitis zu besprühen, die nicht dafür vorgesehen sind, kann ich die Absicht der Person dennoch nachvollziehen und ihre Handlungsweise verstehen, da ich denke, dass es gerade meine Altersgruppe schwer hat, sich in einer Stadt mit so vielen jungen Menschen von der Masse abzuheben und zugleich ihren Platz in dieser Masse zu finden.

von Carolin Möller

Herr Münster

Die Zeit war zu knapp für ein tiefes Gespräch. Nur ein flüchtiger Gruß war möglich, ein kurzes Hallo.

Der betagte Mann hat sehr alte Kleider, aber auch neue Schuhe. Und das Futter ist neu. Er ist zwar alt, doch nicht sein Zeitgeist. Seine Falten werden neu geteert und sein Antlitz wird schick gehalten. Er vernachlässigt alte Traditionen, so war er einst sehr gläubig, doch seine Kirchgänge haben nachgelassen.

Trotz seiner vielen Lenze ist er immer noch fit und vital. Er fährt mit dem Rad und studiert. Deshalb wirkt er sehr jung. Sein grünes Denken ist vorbildlich und seine Brüder sollten sich ein Beispiel an ihm nehmen. Er ist modern, obwohl er von gestern ist.

Soviel kriegt man mit durch ein kurzes Hallo.

von Louis Horlitz


„Lebenswerteste Stadt der Welt“

An verschiedenen Stellen sieht man die dunklen Metallständer, auf denen die Menschen Kerzen anzünden. Neben mir steht eine Gruppe von Kindern, die nicht schnell genug den Dom von Münster erhellen kann, das Bild scheint vertraut. Ich trete an die Kerze heran, das geschmolzene Wachs breitet sich wie eine Schneedecke über das Metall aus, das vom warmen Schein der Flammen beschienen wird. Dämmriges Abendlicht scheint durch die Kirchenfenster und taucht das große Kirchenschiff in ein harmonisches Licht.

Das Flüstern der Besucher verebbt, sobald sich meine Schritte über die Türschwelle wieder entfernen. Meine Gedanken bleiben noch ein wenig am Geruch des Weihrauchs hängen.

Dann atme ich die milde Abendluft außerhalb des Doms ein, die eher an einen Frühlingsabend erinnert als an einen Herbsttag, den die bunten Blätter der zahlreichen Bäume verkünden.

Betritt man die Stadt zuerst durch die Türen des Bahnhofs, wie ich es heute tat, dann dominieren Imbissbuden und graue Häuserfassaden das Bild; die Menschenmenge läuft bei Grün und die Luft richt nach den Abgasen der Autos. Eine Stadt eben. Ihre Besonderheiten bemerkt man erst, wenn ihre Eindrücke wirken.

So erwartet man nicht den, nach dem Krieg wieder aufgebauten, historischen Stadtkern; ist überrascht von der nicht enden wollenden Zahl der Radfahrer und ihrer gewöhnungsbedürftigen Fahrweise.

Kein Wunder, dass sich hinter einer glänzenden Glasvitrine im Rathaus stolz die Urkunde „Sieger ADFC Fahrrad Klimatest 2005″ präsentiert. Gleich daneben findet sich eine zweite Urkunde: „Münster ist die lebenswerteste Stadt der Welt – Livecom Award 2004″.

von Pascal Pesch


Impressionen von Münster

Es war das erste Mal, dass ich in Münster war. Eine genaue Vorstellung hatte ich nicht gehabt. Daher war ich vielleicht so überrascht und erstaunt, dass Münster mir so gut gefiel. Natürlich gab es auch Momente oder Dinge, die mir nicht gefallen haben oder worüber ich sogar geschockt war.

Das Beste an Münster ist, meiner Meinung nach, die Kombination von Alt und Modern und der daraus entstehende Kontrast. Damit meine ich die alten Bauwerke in der Altstadt, die mit modernen Geschäften kombiniert worden sind. Die Altstadt ist wunderschön. Es fällt mir schwer auszudrücken, was genau mir so gut gefallen hat, da ich nicht die richtigen Worte finden kann und da ich immer hin und her gerissen bin von den vielfältigen Kontrasten, auf die man dort stößt. Beispielsweise erzeugen die Rundbögen der Arkaden über den Geschäften den Eindruck, dass man „Willkommen“ ist, man aber gleichzeitig von den vielen Menschen umzingelt wird. Außerdem spiegelte die Altstadt eine Art Ruhe, die jedoch durch die Menschenmasse verloren ging. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Leute dort unterdrückt und alleine fühlen, da die Menschen sehr unterschiedlich waren und es den Anschein hatte, dass jeder nur auf sich achtet.

Die Menschen bestanden überwiegend aus Jüngeren, möglicherweise Studenten, die fast alle mit dem Fahrrad unterwegs waren. Der Verkehr war chaotisch, da alle Verkehrsmittel in engem Raum und Massen aufeinander trafen. Und damit meine ich wirklich alle Verkehrsmittel. Das Chaotische und die Ruhe lagen sehr oft beieinander. Die Parkanlagen, die eine gute Ausruhmöglichkeit boten, waren ein enormer Kontrast zu den überfüllten Straßen. Aber gerade dieser Kontrast hat mich fasziniert.

Der Kontrast von Alt und Modern kam auch bei den Kulturangeboten zum Vorschein. Einerseits konnte man zahlreiche Theater oder Museen wie zum Beispiel das Pablo Picasso Museum auffinden, andererseits konnte man auch viele Plakate von Konzerten sehen. Die Stadt Münster könnte meiner Meinung nach jede Altersgruppe begeistern.

Von Vorteil sind die guten Verkehrsverbindungen. Die Busse fahren fast immer im 10 Minuten Takt, sodass man sehr spontan handeln konnte; doch diese Tatsache zeigt auch, dass die Stadt sehr voll war mit Verkehrsmitteln.

Als Fazit kann man sagen, dass es sich wirklich lohnt, mal nach Münster zu fahren, da ich das Aufeinandertreffen von Alt und Modern nicht nur schön, sondern auch ziemlich interessant finde.

von Gina Lüttgen


Stadt

Nun sitze ich hier… Wie viele Menschen hier wohl vor mir saßen? Ein prachtvolles, altes Gebäude. Menschen strömen raus und rein…

Dieser Platz ist riesig. Auch hier sind Menschen. Sie laufen wirr umher telefonieren oder unterhalten sich. Trotz allem herrscht eine ruhige Atmosphäre. Niemand ist sichtbar in Eile oder achtet wirklich auf andere Personen. Ob sie diese überhaupt wahrnehmen?

Bäume und Laternen sind in einem Muster angeordnet. Kein wirkliches Zeichen von Natur… Das hier ist von Menschen geschaffen… Eine Stadt… und ich bin mittendrin.

Eine Mutter schiebt einen Kinderwagen und unterhält sich fröhlich mit ihrem Kind. Auch sie beachtet ihre Umgebung kaum. Sie würde mich sonst bemerken. Nur ihr kleines Kind scheint mich wahrzunehmen. Sie lächelt mich an.

Es dämmert. Es wird dunkler und dunkler und dunkler. In den modernen Gebäuden links von mir gehen Lichter an. Nur der alte Dom recht von mir versinkt langsam in der Dunkelheit. Ich entschließe mich hineinzugehen.

Drinnen überall Kerzen, Bilder und Skulpturen. Der Altar in der Mitte. Menschen beten. Für wen oder was sie wohl beten? Auch sie nehmen mich nicht wahr. Man hört jeden Schritt. Trotzdem Stille. Ich zünde eine Kerze an und gehe.

Draußen nun völlige Dunkelheit. Laternen leuchten, Glocken läuten und Menschen sind nur noch dunkle Schatten in der Ferne. Man hört nur noch ein paar Gesprächsfetzen. Es ist unangenehm kalt. Trotzdem habe ich ein gutes Gefühl.

von Juliane Horst

20. Dezember 2009 Autor:  Martin Dieckmann 0 Kommentare

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