Zweimal Freispruch: Beeindruckende Aufführungen von „Terror“

Wenn ein Kampfjetpilot ein Flugzeug mit 164 Passagieren abschießt, das von einem Terroristen in ein mit 70.000 Menschen voll besetztes Stadion gelenkt werden soll – ist er dann des 164-fachen Mordes schuldig? Diese Frage stellt Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“ den Zuschauern auf eine sehr unmittelbare Art.

Nach einem durch einen unserer beiden Literaturkurse beeindruckend dargestellten Prozess entschied sich an den beiden Aufführungsabenden eine deutliche Mehrheit des Publikums in der Rolle der Geschworenen für einen Freispruch.

Sie hatte die von der Verteidigung vorgetragene Position überzeugt, dass die Entscheidung des Piloten – bzw. am zweiten Abend der Pilotin – für das „kleinere Übel“ auch gegen den Befehl der politischen und militärischen Führung berechtigt sei. Doch das eindrucksvolle Plädoyer der beiden Staatsanwältinnen, dass das Prinzip der Unantastbarkeit der Würde des Menschen es verbiete, Menschenleben gegeneinander aufzurechnen, hatte vorher sicher viele nachdenklich gemacht.

Lehrerin Judith Weyermann lobte abschließend ihre „Helden“ und deren Entscheidung für das anspruchsvolle Stück, deren großen Einsatz und ihr Durchhaltevermögen – und vor allem die im Ergebnis eindrucksvolle schauspielerische Leistung. Nachdem die Jugendlichen sich mit einem Blumenstrauß und herzlichen Worten bei ihrer Lehrerin bedankt hatten, schlossen sich sich am ersten Abend der stellvertrende Schulleiter Jo Kaptain und am zweiten Abend Schulleiter Wolfgang Arnoldt diesem Dank an. Arnoldt hob in seinem Lob und seinem Dank an die Jugendlichen hervor, dass er nicht nur von der Darstellung des moralischen und rechtlichen Dilemmas selbst sehr gefesselt war. Er dankte dem Kurs auch ausdrücklich für den Mut, sich einer solch schwierigen und aktuellen Frage anzunehmen. Dies zeige, dass die Jugendlichen die Herausforderungen der Zeit verstünden und mache Mut, dass sie auch das Zeug dazu haben, diese zu bewältigen.

Informationen zum Stück, zum Autor und zu den Besetzungen an den beiden Abenden finden Sie im Programmflyer des Literaturkurses.

22. Juni 2017 Autor:  Wolfgang Arnoldt 0 Kommentare

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