Weltwirtschaftskrise – Ein heikles Problem

Freitagnachmittag, 15.10 Uhr in Kreuzau: Plätzchen und Kaffee zum ungewöhnlichen Termin auf dem Tisch des Geschichtszusatzkurses. Das Thema ist nicht so gemütlich wie die Atmosphäre: die Weltwirtschaftskrise. Nach einer kurzen Unterrichtssequenz will sich der Kurs mit einem Experten unterhalten. Ein überaus erfahrener Mitarbeiter aus einer regionalen Bank wurde im Vorfeld mit mehr als sechzig Fragen überhäuft.
Direkt zu Beginn lobte er die gezielten und problemgerichteten Fragen des Kurses. Könne er sie alle beantworten, säße er nicht in Kreuzau. Anhand einiger Beispiele und Erklärungen wurde versucht, die Gesamtzusammenhänge sehr vereinfacht darzustellen, obwohl die aktuelle Problematik deutlich komplizierter und schwieriger ist.
Ein Grundproblem sah er u.a. in dem noch nicht wieder funktionierendem Interbankenverkehr, in dem die Banken z.B. überschüssige Gelder bei anderen Banken anlegen bzw. fehlende Gelder aufnehmen.
Ende der 90er Jahre und um die Jahrtausendwende sind die Kapitalmärkte im Zuge der Globalisierung der Weltwirtschaft liberalisiert worden. Die Internationalisierung der Bankgeschäfte nimmt mehr und mehr zu.
Seit dieser Zeit hat man in Amerika versucht, die Wirtschaft durch niedrige Zinsen zu beleben. Durch diese Niedrigzinspolitik ist vielen Menschen – auch einkommensschwächeren Familien – der Erwerb von Hauseigentum ermöglicht worden. In der Hoffnung auf zukünftige Wertsteigerungen dieser Immobilien bestand die Möglichkeit für Hausbesitzer, sich weiter zu verschulden. ( z. B. Kreditkartenproblematik, uneingeschränkter Konsum). Ein weiteres Risiko für die Hausbesitzer war der floatende Zinssatz, was in der Folge bedeutete, dass die monatlichen Zins- und Tilgungsbelastungen bei allgemein steigendem Zinsniveau von den Hausbesitzern nicht mehr bezahlt werden konnten. Somit waren die Kredite für die Banken ausfallgefährdet.
Die kreditgewährenden Banken haben diese Hausfinanzierungen nach der Kreditgewährung gebündelt am Kapitalmarkt über Investmentbanken verkauft. Viele nationale und internationale Banken haben mit diesen Wertpapieren gehandelt und in die Wertpapiere investiert, nachdem namhafte Ratingagenturen diese Geschäfte geprüft und begutachtet haben, was in der Branche durchaus als ein Qualitätsmerkmal anzusehen ist. Inwieweit die gehandelten Wertpapiere ihren Wert ursprünglich tatsächlich repräsentierten, lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Fakt ist, dass der Markt eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat und darauf vertraut hat, dass die Werthaltigkeit dieser Wertpapiere gegeben sei.
Durch den oben beschriebenen Umstand (für Kredite wurden nicht mehr die vereinbarten Zinsen gezahlt……..mit all seinen Folgen …..) haben die Wertpapiere eben den ursprünglichen Wert nicht mehr. Der Markt hat folglich diese Wertpapiere ständig schlechter bewertet. Die Banken mit eigenem Portfolio sind gezwungen, dem fallenden Wert ( und dem mangelnden Vertrauen in diese Papiere) Rechnung zu tragen und entsprechende Abschreibungen / Wertberichtigungen zu bilden, was in der Folge dann zu den erheblichen Verlusten in den Bankbilanzen führte. Und hier schließt sich der Kreislauf wieder: Da nicht bekannt ist, welche Bank welche Art und welche Menge dieser Papiere im Bestand hat, fehlt in der Bankenwelt das Vertrauen, untereinander Geld zu verleihen aus Sorge, dass man das verliehene Geld nicht mehr zurückbekommt, weil gegebenenfalls eine Bank insolvent werden könnte.
Da Banken aber eine Schlüsselstellung in der Wirtschaft haben, ist es unumstritten, alle Handlungsoptionen zu nutzen, dass dieser Wirtschaftzweig wieder vertrauenswürdig wird und kurzfristig der Interbankenhandel wieder in Gang kommt. Banken sind daher mit dem Blutkreislauf des Menschen vergleichbar. Funktioniert dieser nicht, können auch andere Organe (Wirtschaftsunternehmen) nicht leben.
Diese komplexe Materie in allen Details, auch mit Hilfe vieler Skizzen, aufzuarbeiten, dauerte mehr als eineinhalb Stunden. Auch wenn in diesem Vortrag recht schwere Kost serviert und hier und da mit feinschmeckenden Gewürzen angenehm angerichtet und garniert wurde, ist dennoch nachvollziehbar, dass die sehr einfach dargestellten Zusammenhänge in der Realität deutlich komplexer sind und wegen der Internationalität im Zusammenspiel der Staaten auch deutlich schwieriger zu lösen sind.

von B. Maurin

30. März 2009 Autor:  Martin Dieckmann 0 Kommentare

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