Lesen und Malen gegen das Vergessen

Eröffnet wurde dieser Abend durch eine Ausstellung des Kunstleistungskurses der Schule. Die Schülerinnen versuchten in ihren Werken das Unfassbare des Grauens darzustellen. Die zum Teil sehr persönlichen Kohlezeichnungen zeugten von den Schwierigkeiten menschliches Leid darzustellen. Diese Schwierigkeit wurde auch bei der Präsentation der Werke wieder aufgegriffen: Sie hingen mitten im Raum, sodass der Weg durch die Ausstellung einem Irrgarten glich, der versuchte die komplexe Materie zu unterstützen. Die Schülerinnen waren zu Beginn des Projektes zum Teil recht hilflos, da bewusst auf die Darstellung üblicher Klischees verzichtet werden sollte, so Kunstlehrerin Anja Kretzer.
Diese bekannten klischeehaften Bilder wurden dann während der Lesung präsentiert: Das Eingangstor, die Kofferberge, die Züge und anderen Zeugnisse der Konzentrationslager. Uns ging es darum diese Bilder mit Erlebtem zu füllen, erklärt Deutschlehrer Stephan Deister, der gemeinsam mit den Schülerinnen des Deutschleistungskurses Texte verschiedener Autoren neu arrangiert hat, die Idee dieser Lesung.
Einleitend wurden Auszüge aus Viktor Klemperers Biographie gelesen, die noch einmal die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und die Verschärfung des Alltages für die deutschen Juden vergegenwärtigte. Im Kontrast hierzu stand die Projektion von Filmausschnitten von Parteitagen in Nürnberg, die jubelnde Menschenmassen zeigten. Im Hauptteil der Lesung beschränkte sich die Projektion auf einzelne Bilder, die Orte des Verbrechens zeigten. Auszüge aus Thadeus Borowskis „Bei uns in Auschwitz“ oder dem „Roman eines Schicksallosen“ von Nobelpreisträger Imre Kertész verdeutlichten noch einmal eindrucksvoll für welches Leid diese Bilder stehen. Unterbrochen wurden diese Berichte von Auszügen aus Peter Weiss’ „Die Ermittlung“, die noch einmal den Umgang und das mangelnde Schulbewusstsein der Tätergeneration ins Bewusstsein riefen.

29. Januar 2007 Autor:  Martin Dieckmann 0 Kommentare

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