Ein Abend, wie ihn niemand erahnte

Nachdem
der Moderator Christian Lauscher das Publikum gehörig vorgewärmt hatte,
stellten sich die Darsteller unter ungewöhnlichen Umständen selber vor: Je nach
Lichtwechsel, den der Techniker Kai Störling vornahm, mussten sie im Ausdruck
zwischen Wut, Trauer oder vollkommener Glückseligkeit hin und her springen. Vor
allem die Wutausbrüche bekam manches Publikumsmitglied ganz persönlich zu
spüren – ganz zur Schadenfreude der übrigen. Bei weiteren Spielen war es das
Publikum, das für die Vorgaben sorgte. So mussten Jan-Carsten Franke und
Ricardo Falter eine Saunaszene improvisieren, um sie anschließend in vom
Publikum geforderten Gefühlszuständen zu wiederholen. Hier verlangte vor allem
der Auftritt als gespaltene Persönlichkeit einiges von beiden ab. Eine weitere
Szene improvisierten sie in ständig wechselnden Spielfilmgenres, von Romanze
bis Horror. „Abklatschen“ nannte sich ein Spiel, in dem sich immer einer der
fünf Darsteller nach Lust und Laune in eine Szene einbrachte, um sie dann
völlig umzudeuten. In solchen und weiteren Darbietungen bewiesen alle fünf
einen geistreichen Humor, der das Publikum immer wieder aufs neue zur Raserei
brachte. Der schweißtreibende Einsatz von Ricardo Falter als
Gebärdendolmetscher (eine Höchstleistung war eindeutig die „Übersetzung“ des
Wortes „Spanferkel“) zeigte auf der anderen Seite auch das Bewegungstalent der
Truppe.

Der Höhe- und Schlusspunkt des Abends waren die
von den drei Darstellern improvisierten Hits, die von den beiden Frauen Lotte Saupp und Elisabeth Hanuschkin im
Stile einer Dauerwerbesendung angekündigt wurden.

Kein
Wunder, dass das Publikum vor allem Blumen als Ausdruck der Begeisterung auf
die Bühne warf und die feuchten Schwämme des Mißfallens, die ebenfalls am
Eingang zu kaufen waren, in Massen den Moderator trafen, als er das Ende des
Abends ankündigte. Bemerkenswert war, dass drei der Darsteller (Elisabeth
Hanuschkin, Jan-Carsten Franke und Simon Maris) noch wenige Wochen zuvor
in tragischen Rollen in „Romeo und Julia“ unter der Regie von Christian Ebbertz auf der Bühne
standen.

Herr
Ebbertz, der diesmal als Musiker für die nötige Stimmung und für die
professionelle Begleitung der „Greatest Hits“ sorgte, wies ansonsten jede
weitere Verantwortung weit von sich: „Ich bin hier zwar sonst der Theatermann.
Diesmal war es aber zu 100% eine Schüler-AG: Von Schülern für Schüler gemacht“.

30. März 2010 Autor:  Martin Dieckmann 0 Kommentare

Zur Desktop Ansicht wechseln