Warum Stundenpläne kein Wunschkonzert sein können


Ein Kommentar von Martin Dieckmann

Dass Stundenpläne ein für Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen wichtiges Thema sind, hat sich in den ersten Wochen des Schuljahrs 2012/ 13 einmal mehr gezeigt. Auf den Gängen und unserer Internetseite sowie im Lehrerzimmer wogten Diskussionen über das Für und Wider der jüngsten Stundenverteilung. Die Stimmen der Unzufriedenen waren dabei schriller als die der Zufriedenen. Spitze des Eisbergs bei den Stundenplan-Beschwerden war folgender Netz-Kommentar eines Oberstufenschülers:

„Ich bin (…) grade richtig sauer auf den Verbrecher der die Stundenpläne gemacht hat. Ich habe gehört, dass die Pläne der 13 angepasst werden sollten, damit sie ein möglichst stressfreies Abitur machen können. Dann hätte ich jedoch gerne gewusst, warum so unnötige Fächer wie Kunst/Musik oder Religion/Philosophie in den zweiten und dritten Stunden angesetzt sind.“ (…)

Dies ist bereits eine entschärfte Version des Originaltexts. Dass Kunst, Religion und Philosophie genau so wenig „unnötig“ sind, wie Musik, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Mich hat allerdings die Wucht des Kommentars beeindruckt. Diesen Schwung will ich Umsetzen in einige generelle Überlegungen zu Stundenplänen.

Sicher ist es sinnvoll, Leistungskursstunden am Vormittag zu haben. Man kann auch der Ansicht sein, dass Kunst und Religion eher am Nachmittag stattfinden können, als Mathematik zum Beispiel. Doch was der Kommentar oben übergeht ist, dass diese Forderungen zwei von einer Legion an Ansprüchen sind, zwischen denen unsere Stundenplanmacher mit Hilfe eines komplexen Computerprogramms einen Kompromiss entwerfen müssen. Sind alle Forderungen ins Programm eingegeben, rechnet ein moderner Rechner rund vier Stunden an einer Lösung. Woran das liegt wird klar, wenn man sich die Vielzahl von Bedingungen vorstellt, die das Programm miteinander vereinbaren soll – und dass Alles mit Allem zusammenhängt.

Eine Lehrerin, die am Vormittag ihren Mathematik-Leistungskurs und mehrere Grundkurse unterrichten soll und als zweites Fach Philosophie hat, muss mit ihrem zweiten Fach häufiger in den Nachmittag rücken. Des Mathe-Schülers Freud ist dem Philosophie-Kurs ein Leid. Klar ist auch, dass jene Lehrerin im Regelfall 15 bis 16 Stunden zu je 70 Minuten pro Woche vorbereiten und halten muss – und jede dieser Stunden kann nur einmal verplant werden.

Dazu kommen die berechtigten Wünsche von Eltern und Schülern:

– möglichst zahlreiche Wahlmöglichkeiten bei Sprachen, Differenzierung und Leistungskursen

– möglichst wenige Freistunden

– Busse und Bahnen pünktlich bei Unterrichtsschluss verfügbar

Letztere Forderung kann in Konflikt geraten mit dem Wunsch des Schulträgers, der Gemeinde Kreuzau, keine übermäßige Zahl von Sonderfahrten finanzieren zu müssen.

Auch die Vorstellungen der Lehrerinnen und Lehrer von einem guten Stundeplan können in Widerspruch zu anderen Umständen stehen, die unser Computerprogramm in seine Kalkulation einbeziehen muss.

Aus dem Kollegium kommen zum Beispiel folgende Wünsche:

– eine günstige Verteilung der Unterrichtsstunden über die Woche und im Laufe des Schultages

– Verfügbarkeit der Fachräume für den entsprechenden Unterricht: Erdkunde im Erdkunde-Raum, Biologie im Biologie-Raum…

– passende Freistunde für Eltern- und Schülerberatung und kollegiale Zusammenarbeit

– Berücksichtigung anderen Dienstverpflichtungen (Fachleitung in der Lehrerausbildung, Fortbildungen, bei Referendaren die Arbeit am Studienseminar)

– Die Umstellung auf das Abitur nach zwölf Schuljahren hat die Arbeit am Stundenplan für das Schuljahr 2012/ 13 besonders aufwendig gemacht. Mehrere Lehrer und die Schulleitung haben mehrere Wochen der Sommerferien nicht im Urlaub verbracht, sondern blieben zu Hause, um sich immer wieder zu Planungsgesprächen zu treffen.

Denn einige bisher ungenannte Faktoren fließen zusätzlich in die Stundenplan-Arbeit ein: Lehrpläne, Gesetzesvorgaben – und einen Beschluss der Lehrerkonferenz zur verbesserten Zusammenarbeit gab es ja auch noch… Die verbesserte Zusammenarbeit bedeutet, dass fünf Teams von jeweils zwei oder drei Lehrern eine gemeinsame Freistunde pro Woche bekommen sollen, um zusammen Unterrichtsreihen zu verbessern oder neu zu gestalten. Und der Rechner rechnete, und rechnete und rechnete…

Wer diese Umstände kennt, wird zugeben, dass Kompromisse unumgänglich und nicht alle Ansprüche an einen guten Stundenplan erfüllbar sind. Immerhin fallen die Einschränkungen durch den Doppeljahrgang mit Ablauf des Schuljahrs 2012/ 13 weg – dann gibt es vielleicht auch wieder weniger Leistungskurs-Stunden am Nachmittag.

Ich jedenfalls bin mit meinem Stundenplan weitgehend zufrieden, obwohl ich zweimal pro Woche die fünfte Stunde unterrichte und deshalb Probleme habe, einen Termin für die Homepage- und die Schülerzeitungs-Arbeitsgemeinschaft zu finden.

  • Jennifer sagt:

    Ich bin in der 12. und in meinem jahrgang beschweren sich einige darüber dass LK Stunden am nachmittag stattfinden manche sagen sogar dass LK Stunden nicht nachmittags stattfinden dürfen weil man sich da nicht konzentrieren kann. Was stimmt denn jetzt dürfen LK Stunden nachmittags stattfinden oder nicht?

    • Kaptain sagt:

      Hallo Jennifer,
      an unserer Schule gibt es keine „12.“, sondern die Jahrgangsstufen EF, Q1 und Q2. Aus dem Zusammenhang erschließe ich, dass Du in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe bist. Es gibt keine Vorgaben dazu, welche Stunden am Nachmittag sein dürfen und welche nicht, gleich ob Grundkurs oder Leistungskurs. Man könnte z.B. der Meinung sein, dass Schülerinnen und Schüler im LK mehr motiviert sind als im GK und es ihnen daher leichter fällt, am Nachmittag konzentriert zu arbeiten. Wegen unseres 70 Minuten Rasters muss eine LK Stunde entweder in der 4. oder 5. Stunde liegen, damit sie 85 Minuten dauern kann und die LK so auf die 225 Minuten pro Woche kommen.

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